Evolution | Individuation

Unser Leben besteht aus vier maßgeblichen Bausteinen. Zwei Gegensatzpaare sind das Fundament, über die sich die "Vertikale Matrix des Lebens" zu immer höheren Niveaus aufschwingt - ICH | WIR, INNEN | AUSSEN. Wir sind Körper und Geist, und wir sind Individuen die in einer Umwelt leben, aus der und auf die wir uns beziehen. Jeder Mensch und jedes weltliche Phänomen ist nicht weniger als alle vier Seiten zugleich. Seine eigene Entwicklung bedeutet stets Entwicklung über alle vier Seiten hinweg.

Individuation bedeutet Bewegung, denn es ist eine grundsätzliche Eigenschaft des Lebens, dass es stets über sich hinauswachsen möchte. Die Evolution ist eine Einbahnstrasse, die immer höhere Gleichgewichtszustände anstrebt. Dabei decken Individuen immer höhere Zustände ihres Bewusstseins, und folglich auch höhere Kapazitäten und komplexere Methoden auf, um das Leben zu bereichern und sich immer neu und erweitert zu erfahren. Dabei wandelt sich mit ihnen das Abbild der Welt, das sie immer detailgenauer, selbstbewusster und filigraner erschaffen. Die Entwicklung erfolgt prinzipiell sprunghaft. Nur vorübergehend bildet die Evolution Plateaus mit dem Ziel heraus, sich zu stabilisieren. Doch bald schon wird sie den nächsten Anlauf nehmen, um den Sprung auf eine nächst höhere Stufe zu versuchen. Gegenwärtig erleben wir eine kurze Zeitphase in der Evolutionsgeschichte, die uns den Sprung in ein grundsätzlich neues und erweitertes Zeitalter miterleben und mitgestalten lässt. Dabei verändert sich vor allen Dingen die Spezies Mensch - und mit uns alles, was wir als unseren Lebensraum erkennen können. Langsam werden die Konturen der Zukunft sichtbar und lassen uns erahnen, welche Herausforderungen auf uns zukommen werden. Wir entschlüsseln gerade eine neue Welt, die noch nicht entdeckt ist, doch wir beginnen, uns ihr zuzuwenden. Dies ist der gewöhnliche Gang der Dinge. Wer hätte sich vor 150 Jahren schon vorstellen können, wie wir heute leben. Und heute können wir uns nicht vorstellen, wie wir in Zukunft leben werden. Doch die Zukunft wird uns mit Sicherheit ein neues Leben bescheren. Und es wird schneller zu unserer Realität geworden sein, als wir es heute vermuten.

Entwicklung findet stets an allen Fronten, auf allen Seiten statt. Sie sind sich Spiegel und gegenseitiger Anstoß, wirken interdependent zusammen. Nachhaltiger Fortschritt muss über alle Seiten hinweg stattfinden, möchte er sich auf einem höheren Niveau etablieren und nicht auf ein gleiches oder gar früheres, bereits überwunden geglaubtes Stadium zurückfallen. 

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Robert Welscher  | www.modulenature.com

Die Stufen der Individuation

sorry, no picture Kurz gefasst, lässt sich die menschliche Entfaltung in drei maßgebliche Phasen einteilen: Eine vorrationale (Stufen 1-4), in der Trieb und Impuls vorherrschen; eine rational dominierte (Stufen 5-7), in der sich die Herauslösung aus kollektiv geistigen Geflechten sehr beschleunigt; und eine überrationale (ab Stufe 8), in der die Rationalität in einer umfassenderen Form individueller Informationsverarbeitung aufgeht. Transzendenz vollzieht sich durch das Individuum. Der Einzelne wird kraft seines rationalen Vermögens und über das hinaus zum bewussten Träger der Evolution. Wir erleben den wohl bislang dramatischsten Wendepunkt in der irdischen Evolutionsgeschichte.

Zu den Prozessen, die sich gegenwärtig vollziehen, ist anzumerken, dass sich die Bezeichnungen: 1./2./3. Welt nicht primär auf geographische Regionen beziehen, sondern auf Bewusstseinsstadien. Natürlich bilden sich diese durch verschiedene Kulturen und unterschiedliche soziodemographische Verteilungen verschiedener Gesellschaften ab.

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Robert Welscher | aus DIE REFORMATION DES WELT•RAUMS | www.modulenature.com

Wo stehen wir?


Zum ersten Mal in der bekannten Evolutionsgeschichte ist eine Spezies zum bewussten Herrscher über die Erde geworden - es ist der rational denkende Mensch der Gegenwart. Die heutige Rasse Mensch unterscheidet sich grundlegend von der Menschheit, die noch vor wenigen Jahrhunderten die Welt besiedelte. Allen bisherigen Hochkulturen versagte ihre Reife in ethnisch und regional begrenzten Territorien. Ihre Expansion versagte weit vor der Vereinnahmung der globalen Welt, sie gingen als regionale Zeiterscheinungen wieder unter. 

Möchten wir anhand des Prozesses der Individuation auf die einstige Verteilung des menschlichen Bewusstseins über die Bevölkerungsgruppen hinweg schließen, so dürfte ein dramatisches Gefälle zu Ungunsten entwickelter Individuen existiert haben. Eine wahrscheinlich sehr dünne und abgeschirmte Elite herrschte über eine massive Masse nicht identischer, triebhafter und konformer Menschen. Die ausschlaggebende Ursache für den Untergang aller uns vorangegangen Hochkulturen ist die fehlende Bewusstseinsreife über die Masse der Bevölkerung hinweg. Der Mensch war als Individuum zu wenig entwickelt. Klüfte zwischen den Bewusstseinsniveaus der Menschen waren zu groß und sie waren zu ungleich verteilt, sodass keine Chance bestehen konnte, eine notwendige kritische Masse nachhaltig zu überwinden. Menschen, die über ein die Masse übersteigendes Bewusstsein verfügten, waren zahlenmäßig weit unterlegen. Die Rationalität war überwiegend noch nicht erfunden, sodass dogmatische Welten dogmatische Repräsentanten brauchten. Das Lebensniveau bewegte sich insgesamt überwiegend in prärationalen, kollektivgeistigen Stadien. Der "Durchlauferhitzer" Evolution beflügelte Einzelne, wenngleich er die ahnungslose Mehrheit wenig tangierte - sie blieben eher unmündige und unterdrückte Menschen, deren Los ein konformes und einfaches Leben war. Die damaligen Verhältnisse dürften sich wenig von dem unterscheiden, was uns die Medien aus fundamental religiösen Regionen der Dritten Welt berichten, denkt man sich die Beigaben der importierten Moderne einmal weg. Das menschliche Leben kannte bislang lediglich regional, ethnisch und religiös begrenzte Erscheinungen.

Nun scheint es ein absulutes Novum auf unserer Welt zu sein, dass wir uns den Lebensraum Erde insgesamt und von Dauer erschließen können. Es ist das Verdienst der entwickelten Rationalität - der Mensch wir ein individuell bewusstes Individuum, welches sich nicht nur intellektuell, sondern gleichsam selbstbewusst und selbsterfahren präsentiert. Wir beginnen, unsere Vernunft nicht mehr auf isolierte, ego- oder ethnozentriert begrenzte Räume zu justieren, sondern beziehen die globale Welt in unsere Betrachtungsweisen ein. Es ist bereits eine höhere Spezies aus uns geworden, der Mutationsprozess unserer Rasse schickt uns in eine völlig neuartige Zukunft des bewussten Lebens. Und das, obwohl diese Tatsache bei einem beträchtlichen Anteil unserer Mitmenschen längst noch nicht angekommen ist.

Wir stehen exakt an der Wegscheide - am Sprung zwischen den Dimensionen. Durch uns und unsere sich sprunghaft erhöhende Kapazität windet sich das Leben empor zu neuen Ufern. Wir treten über uns hinaus, und weil wir dies vollführen, reissen wir eine verbrauchte Fassade von der Welt, um hinter ihr eine nächste freizulegen, die unsere eigene Handschrift trägt. Wir beginnen, die globale Schöpfung bewusst auf unseren Schultern zu tragen. Und notgedrungen wachsen wir in die Verantwortung, die das Leben dafür von uns einfordert.

Konkret reiben wir uns immer vehementer an den überzüchteten bürokratischen Strukturen der rational-konventionellen Stufe und realisieren in unserem Verständnis die Schattenseiten des rationalen Individualismus, der sich in der Sinnlosigkeit des neoliberalen Wachstumsglaubens verirrt. Den globalen Erfordernissen entsprechend, muss sich das globale Leben notwendigerweise auf ein ganzheitlich bewusstes Niveau erheben und sich nach der Maßgabe eines integralen Denkens neu organisieren. Sollte uns das nicht gelingen, ist es gut möglich, dass fundamentaler Extremismus, Lobbyismus oder ungezügelt egomaner Individualismus die Keime der Evolution wieder verkümmern lassen, und der Fortschritt in sich zusammenbricht. So ist es bislang noch immer geschehen.

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Robert Welscher |  www.modulenature.com

Wohin führt der Weg?

Zielstrebig verfolgt die Menschheit einen Weg, in dem der Einzelne individuelle Freiheit erlangen und ausleben kann. Das passive Streben nach Besitz und Sicherheit geht in eine Phase über, in der ein dynamisches Lebensverständnis ein statisches ersetzt. Wir erleben die Auferstehung der Individualität in allen Lebensbereichen, die umfassende Anreicherung individuellen Ausdrucks und individueller Erkenntnisbildung in alle vier Richtungen. Wir sehen die integrale, umfassende Ausdehnung des menschlichen Individuums und dadurch hervorgerufen eine vollkommene Um- und Neugestaltung der menschlichen Lebensräume auf der Erde. Die tatsächliche Veränderung findet zwar "in" uns statt. Doch ihr unglaubliches Ausmaß können wir äußerlich leicht an der Fortentwicklung unserer Technologien erkennen. Die Errungenschaften der digitalen Informationswelt werden hierbei noch die geringsten Veränderungen verursachen. Sie sind lediglich ein erster, vorbereitendern Schritt in eine neue Richtung. Denn wir werden nicht lediglich Mobilität, Kommunikation und Lebensstandard verändern und uns Lebenswelten in Cyberspace und Extremsport erschliessen, sondern immer detailgenauer zu Schöpfern autonomer Intelliganz heranreifen. Wir werden das Leben insgesamt noch wesentlich nachhaltiger verändern als während der letzten Jahrzehnte - und das wahrscheinlich in der nächsten Zukunft. Das, was wir heute für die Zukunft erwarten, wird wohl nicht eintreten. Wir sollten davon ausgehen, dass die kommende Wirklichkeit unser derzeitiges Vorstellungsvermögen weit übertreffen wird.

Unser Weg führt uns in ein erweitertes Spektrum des Lebens, das erst noch zu erfinden ist. In der Geschwindigkeit, in der sich das Zeitgeschehen verändert, scheinen wir auf einen Punkt zuzulaufen, an dem unser Leben von Grund auf neue Regeln bekommen wird. Wir werden bald in allen Bereichen des Lebens ein neues Ereben erfahren.

Im Zentrum steht das Individuum, das Hinaustreten des rational entwickelten Menschen über sich selbst. Die bewusste und selbstkritische Ausdehnung in die Spären der überrationalen Wahrheiten, die mehr benötigen, als Augenlicht oder die Orientierung an einer äußerlichen Welt. Vielleicht werden wir nicht nur mit Raumschiffen den Weg in die Sterne suchen. Vielleicht entdecken wir, dass unserem bewussten Sein hierfür filigranere Mittel zur Verfügung stehen. Die Basis unseres Fortschritts ist die Überwindung der Äußerlichkeit, um in einer neuen Form in der Äußerlichkeit aufzugehen. Was auf einer selbstbewussten und ganzheitlich entwickelten Rationalität aufbauen muss.

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Robert Welscher | www.modulenature.com

Sozialisation

Betrachten wir die Zeitlinien, in der sich die Menschheit entwickelte, so sehen wir in der jüngsten Vergangenheit die mit Abstand großartigsten Prozesse, die jemals auf der Erde stattgefunden haben. Die Kreativität verliert ihre gewöhnliche Norm - stattdessen widmet sie sich der Vielfalt und Einzigartigkeit. Auf dem Weg dorthin schreckt sie immer weniger vor Provokation zurück und wird zunehmend offener, transparenter und selbstverständlicher. Unsere Kultur wird zunehmend filigran und wertvoll in ihrem Gehalt. Wir werden frei, kompromisslos und aufrecht. Der Mensch erwacht buchstäblich zum ersten Mal als selbstbewusstes Individuum, das sich willentlich und nachhaltig aus der Konformität des Kollektivgeistes erhebt. Es ist die Gesundung in eine höhere Form der Freiheit, die andere Maßstäbe und Ansprüche entdeckt, neue Visionen kreiert, neue Welten kultiviert und ihre beengten Dogmen verliert. Das Wesen der Wahrheit tritt an das Licht der Welt und wird lebendig. Wir beginnen, einer dynamischen Schöpfungswelt erstes Leben einzuhauchen.

Wir entdecken das Zeitalter von Qualität und Inspiration, von individuellem Ausdruck, von gegenseitigem Anstoss und neu erlangter Freiheit. Wir kultivieren die wesenhafte und individuelle Natürlichkeit, zapfen die Essenz des Lebens an tieferen Sphären an, um sie zum Fundament unseres Wachstums zu machen. Das sichtbare Resultat wird eine neue Kultur werden, unser soziales Leben wird neue Formen hervorbringen und weitergehende Experimente wagen. Die Tendenzen auf der Erde sind eindeutig - steigende Produktivität und Technologisierung setzen Lebenszeit frei und drängen förmlich zu geistiger Entwicklung - sie lässt aus gleichförmig funktionierenden kreativ schaffende Individuen gedeihen. Der Anspruch an das Leben erhöht sich dramatisch. Das Leben eröffnet einen neuen Raum, der frei wird und völlig neu ausgefüllt werden möchte. Das Streben nach Bestand und Sicherung vergeht und weicht der Sehnsucht nach Erfüllung und wesentlicher Transformation. Die Transformation, das aller Natur innewohnende Wesen, verlangt nach einem angemessenen Maß an Flexibilität und wird zum Ziel einer materiell längst saturierten Welt werden (was eine Grundversorgung an Gütern betrifft).

Wir erleben einen sprunghaften Anstieg der Vielfalt dessen, was wir als Kulturgut hervorbringen. Die Kunst wird immer mehr zu einer aktiven Kunst des Lebens, in dafür geschaffenen, offenen und wandelbaren Räumen. Technologie wird zum Träger der Natürlichkeit. Materielle Dinge wandeln sich von statischen Besitztümern zu Hilfsmitteln für die dynamische Wesensentfaltung. Unser soziales Leben wird an neuen und angemesseneren Schauplätzen stattfinden. Es wird sich häuten, weil wir die verkrustete Haut unserer unbewussten Konformität hinter uns lassen

Wir stossen hinauf in eine überrationale Welt, die den gesamten Erdball als ihr Spielfeld bewusst und verantwortungsvoll vereinnahmt hat. Wir haben die Chance, ein Stadium in der Evolutionsgeschichte selbst zu verursachen, das eine friedliebende und freie Zeit für eine nächste Epoche menschlicher Erfahrung bedeutet. Wir sollten uns aufmachen, in eine neue Richtung zu wachsen.

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Robert Welscher | www.modulenature.com