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Weniger ist mehr!
Die Welt steckt in einer Krise. Oberflächlich
gesehen, erleben wir 08/09 die schlimmste Finanz- und Wirtschaftskrise
aller Zeiten, die Veränderungen für unser gesamtes
Leben mit sich bringen soll. So lautet zumindest der einheitliche Tenor
in den Medien - die Fachwelt sieht die Katastrophe kommen und handelt
energisch. Ihre Mittel sind die selben, mit denen die Krise verursacht
wurde, nur ihr Ausmaß ist explodiert.
In Wirklichkeit ist diese Krise wohl nur ein kurz aufflackerndes und
vergängliches Zeichen einer Krise von weit
größerem Ausmaß, die wesentlich tiefer
liegt und viel weitreichender ist! Wir
erleben eine fundamentale Krise des Zustands unseres Bewusstseins.
Das menschliche Denken und Handeln stecken in ihren
Grundsätzen in einer Sackgasse fest. Diese Sackgasse ist ein
markantes Kennzeichen an dem gegenwärtigen Wendepunkt der
menschlichen Entfaltung und richtet uns auf nächst
höhere Aufgaben aus. Die
Weltwirtschaftskrise wird vergehen. Doch wahrscheinlich wird darauf nur
eine kurze Ruhe vor dem nächsten Sturm folgen.
Die Prozesse der Umverteilung werden sich weiter beschleunigen, wie der
menschliche Hunger nach Rohstoffen und Energie. Es gilt zu vermuten,
dass die Anzahl der Verlierer noch deutlich schneller wachsen wird, als
die Zahl der Gewinner. Gewinner werden einmal mehr Lobbyisten sein,
dubiose Kanäle werden neu verschleiert. Gescheiterte Systeme
werden in noch abenteuerlicherem Ausmaß bedient. Die
konformen Kräfte, die weltweit an den
Schlüsselpositionen der Macht stehen, sind in ihrer
Weltanschauung wohl noch zu stark rückwärtsgewandt -
die Welt ist für einen wirklichen Wandel offensichtlich noch
nicht reif.
Im Schatten dieser Wahrheit erlebt aber längst eine neue
Wahrheit ihre große Auferstehung. Im nicht versiegenden Strom
der Berichterstattung erhält sie immer neue Nahrung und wird
zusehends stärker und intelligenter. Die Prozesse der
Veränderung beschleunigen sich jeden Tag weiter, werden immer
transparenter und offensichtlicher. In vielen Initiativen beginnt man,
sich in Netzwerken zu organisieren und tritt immer selbstbewusster an
die Öffentlichkeit: Der
nächste, globale Schritt ist die Eroberung eines
ökosozialen Bewusstseins. Ein grundlegendes Umdenken ist in
allen Lebensbereichen notwendig. Eine Welle der Veränderung
schwappt über den Planeten und reisst alles mit sich. Sie
zwingt den Menschen dazu, aus seinen Fehlern zu lernen und sich
konsequent neuen Ideen zuzuwenden.
Wir müssen uns
die wesentlichen Fragen des Lebens erneut stellen, und sie aus einer
für eine globale Welt angemessenen Perspektive beantworten!
Wie handeln wir? Welche Annahmen legen wir unserem Handeln zu Grunde?
Welche Mittel wenden wir an? Wie maßvoll und perspektivisch
gehen wir vor?
Wo erlange ich einen Mehrwert für das Leben, wenn ich etwas
unterlasse, anstatt es zu tun?
Ein behutsamer Umgang mit den natürlichen Ressourcen ist
ebenso angezeigt, wie die Hinwendung zu Humanität und
Nächstenliebe. Die Zeiten maßloser Verschwendung mit
Gütern und Leben müssen notwendigerweise vergehen, um
eine neue Balance auf der Erde zu erreichen. Wir benötigen
einen neuen, ethischen Grundkonsens, eine höhere Basis
für das gemeinschaftliche Leben, das längst zu einem
globalen Dorf zusammengewachsen ist. Wir benötigen fundamental
neue Zielsetzungen für unser Leben und eine neue Form
konsequenten Handelns.
Dies bedeutet keinesfalls
Verzicht oder Entbehrung von materiellen Gütern! Der
Fortschritt liegt in einem höheren Verständnis vom
Umgang mit sich selbst und den materiellen Dingen, die uns die Erde
für unser Leben bereitstellt. Es geht darum, ein
höheres Grundverständnis vom Leben und daraus folgend
ein verändertes Anspruchsverhalten herauszubilden. Auf sehr
viele Güter werden wir in Zukunft nicht notgedrungen, sondern
willentlich und selbstbewusst verzichten. Gegenwärtig haben
wir, in unserem kapitalistisch orientierten Lebensverständnis,
ein vernünftiges und allgemein verträgliches
Maß längst überschritten. Materielles Wachstum ist
geistigem Wachstum nur in bestimmten Maßen dienlich und wird
schon bald zu einem Hindernis. Quantitatives Wachstum von
Gütermengen und Zahlenkonstrukten als Allheilmittel
für das Gedeihen der Menschheit zu verordnen, ist ideologisch
längst gescheitert. Diese Entwicklung gilt es
sowohl in unserem individuellen Denken, als auch in der Funktionsweise
unserer Gesellschaftssysteme zu korrigieren.
Wir treten in eine Phase ein, in der vieles in ein rechtes Licht und
ein angemessenes Verhältnis gerückt werden wird. Dies
darf aber weder Stillstand noch Regression bedeuten. Vielmehr
verursacht es ein konkretes Wachstum, weit wunderbarer als die zu Ende
gehende Kulturrevolution der Moderne, die durch wachsendes rationales
Verständnis hervorgerufen und getragen wurde.
Zukünftiges Wachstum zeigt sich nicht nur in spekulativen
Börsendaten oder Indizes, Umsatz oder verfügbaren
Einkommen. Denn es ist
ein qualitatives Wachstum, das in einem umfassenderen Kontext
inspiriert und unser Leben weiterentwickelt. Es findet auf subtileren
Ebenen statt, als der reduzierten Äußerlichkeit.
Wohlfahrt wird nicht mehr nur in Gütermengen und
Konsummöglichkeiten, sondern in umfassendem menschlichem
Wohlergehen betrachtet. Die Zeit der Spekulation wird
vergehen.
Der bewusste Verzicht auf unnötige Dinge bedeutet nicht
Entbehrung, sondern bewirkt Befreiung auf vielen Ebenen des Lebens - es
ist ein konkreter Zugewinn und kein Verlust. Weniger ist oftmals mehr,
da es Freiräume schafft, die neu genutzt werden
können. Perspektiven und Möglichkeiten
eröffnen sich, die in einer außenzentrierten
Weltsicht nur wenig Platz gefunden haben. Ein neuer, wahrerer Reichtum
entsteht. Natürlich setzt dies einen bewussten Prozess der
Erkenntnisbildung voraus. Obwohl ihn immer mehr Menschen selbstbewusst
beschreiten, steht er auf gesellschaftlicher Ebene aber noch weitgehend
aus. Bewusster Konsum, der an den identischen Bedürfnissen
jedes Einzelnen ansetzt, orientiert sich an dem Ziel, das individuelle
Leben umfassend, äußerlich und innerlich zu
bereichern, nicht lediglich einen Schein um sich zu installieren. Der
Sog der materiellen Glitzerwelt darf seine mythische Kraft verlieren
und in etwas aufgehen, das viel leuchtender scheint. Wir
müssen jedoch genauer hinsehen.
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Robert Welscher | aus PROJEKT 20XX | Bild: Bagan, Burma | www.modulenature.com
Die Moderne und das Feingefühl
Das Wunder des Fortschritts
Die Entdeckungen, die der Mensch während der vergangenen
Jahrzehnte gemacht hat, deuten allesamt in eine gleiche Richtung: Wir
verändern das Verständnis vom Leben und dringen mit
unseren Bemühungen in immer unglaublichere Dimensionen vor.
Selbst die Überwindung der körperlichen
Alterungsprozesse wird wissenschaftlich in Aussicht gestellt. (Bereis
jetzt steigt unsere Lebenserwartung um fast 6 Stunden pro Tag). Die
Probleme auf der Welt regen uns an und lassen unseren Erfindergeist
explodieren. Wir entwickeln bahnbrechend neue Lernprozesse, die unsere
Bildungssysteme vollständig reformieren und die menschliche
Fähigkeit weiten werden. Technologische Vernetzung wird eine
global bewusste Vernetzung des Lebens sein, um auf umfassende
Entwicklung abzuzielen. Das gegenwärtig noch vorherrschende
Konkurrenzdenken, das gegeneinander und ausschließend
funktioniert, wird sich in etwas Größeres ergeben.
Wenn der Mensch erkennt, dass das Leben ein übergeordnetes,
einheitliches Gebilde ist, das sich in einem übergeordneten
Rahmen entwickeln möchte, wird man aus einer höheren
Motivation an gemeinsamen Strängen ziehen. Die Prozesse laufen
sehr schnell in diese Richtung zusammen.
Es steht außer Frage, dass unsere moderne Zeit in einem
Ausmaß die Welt verbessert und anreichert, wie es noch
niemals stattgefunden hat. Kunst und Gestaltung verschmelzen mit ihrem
Feinsinn und ihrer Ästhetik, ihrer freizügigen und
ungehemmten Kreativität immer mehr mit den pragmatischen und
notwendigen Seiten des Lebens. Die rationale Wissenschaft
öffnet sich bislang tabuisierten Themen und gewinnt immer neue
Perspektiven, die noch vor kurzer Zeit als illusorisch oder als
metaphysische Utopien betrachtet wurden.
Die vorhandene
Intelligenz weitet sich aus, indem sie mit all ihren Schichten zu einer
Einheit zusammenwächst. Dadurch erschafft sie immer
phantastischere Räume, immer neue Ansätze und
Konzepte, die uns ein Leben ermöglichen werden, das nicht nur
im Einklang mit der Natur, sondern im expliziten Anspruch der
Fortentwicklung unserer Spezies liegt. Es ist lediglich
ein konsequenter nächster Schritt, eine Frage der Zeit, bis
der menschliche Anspruch an das Leben die Feinheit ist, die sich
über alle Lebensbereiche ausbreitet. Ihre Kraft liegt in der
beständigen Pflege. Sie entsteht in der Achtsamkeit im Moment,
wodurch sie das Feingefühl erst dauerhaft kultiviert. Sie
bringt eine neue, alles umfassende Lebenskultur hervor, neue
Lebensverständnisse, gelebt in neu geschaffenen
Lebensräumen. Hierbei stehen wir zwar erst am Anfang einer
neuen Zeitepoche, doch können wir bereits einige ihrer
wesentlichen Konturen erahnen.
Bislang sind die Errungenschaften der Ästhetik und des Designs
primär auf die Entwicklung der äußeren Welt
ausgerichtet. Sie sind Mittel, um uns eine schöne und
glitzernde Umgebung zu gestalten, die vornehmlich unserem
körperlichen Wohlbefinden dient. Eine Ästhetik des
Geistes zu kultivieren, wird die weit wichtigere Aufgabe der Zukunft
sein, ohne die ein wirklich ökosoziales Leben nicht
stattfinden wird. Wir entwickeln tatsächlich
gerade so etwas wie ein phantastisches, von Menschenhand erfundenes
Paradies auf der Erde. Eine feinfühlige, feinsinnige,
achtsame, und zugleich dynamische und offene Lebenswelt, die Vielfalt
generieren möchte, anstatt sich in unbewusster
Abhängigkeit auszuruhen. Was noch weitgehend fehlt, ist unsere
eigene, ausgeformte Wesensqualität. Sie ist gerade im Begriff,
sich neu zu konstituieren.
Weniger materiellen Besitz von höherer Qualität, mehr
Inhalt anstatt vieler leerer Hüllen, die
Erschließung weiterer Freiräume für die
geistige Entwicklung als noch mehr Freiheit für materielle
Verschwendung. Gelassenere Nachhaltigkeit, die das Leben lebt, anstelle
einer aggressiven Kurzsicht, die das Leben verschwendet. All dies wird
nicht funktionieren, wenn wir uns nicht gegenseitig in unserem Wachstum
unterstützen. Wir bewegen uns umfassend in immer feinere
Bereiche vor - nicht nur in der wissenschaftlichen Erkenntnis - wir
sind im Prozess, die Sphären unserer geistigen Feinheit zu
durchdringen.
Der anstehende Paradigmenwechsel schwenkt von materiellem
hinüber zu geistigem Wachstum, das materielles Wachstum
einschließt und es zu nächster Blüte
bringt. Ökosozial
bewusst zu leben bedeutet, technologischen und kulturellen Fortschritt
voranzutreiben und ihn mit einer neuen Konsequenz zu nutzen.
Das unverzichtbare Fundament hierfür ist die Herausbildung
höherer Stufen des menschlichen Bewusstseins. Denn die
Entwicklung seines Wesens ist der Zweck des menschlichen Projektes! Die Entwicklung von Technologie
und neuen Lebenswelten sind dabei nur Nebenprodukte, die Knetmasse der
Evolution für das menschliche Spiel.
Es ist ein wahrlich wundervolles Spiel; es wäre
höchst angemessen, wenn wir uns dementsprechend verhalten
würden!
Bislang erfolgt jedoch
weitgehend ein Aufbruch in vergangene Zeiten. Es wird
versäumt, den Fokus in eine neue Richtung zu lenken.
Schnell erholen sich die Börsen, noch schneller bereichern
sich Bevorzugte, noch klüger sprechen beglaubigt Kluge, noch
zügelloser gebären sich in sich Zügellose.
Noch leichter sind die oberflächlichen Spiele zu durchschauen.
Die Welt mahnt die Veränderung an, doch scheint der Mensch
dafür noch nicht bereit. Noch findet die Inspiration keine
Türe, sich über die weltlich nüchterne
Rationalität hinwegzusetzen. Abstruse Zahlengebilde dominieren
das menschliche Leben. Wir scheinen noch nicht genug
erschüttert, als dass die Feinheit Einzug halten, und das
Leben durchdringen könnte.
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Robert Welscher | aus PROJEKT 20XX | www.modulenature.com
Eine inhaltliche Neuausrichtung
Die Auferstehung weicher Werte
Das Leben steigt
aus der Konformität des Regel- und Ordnungsdenkens auf,
überbrückt die Gräben des rational
dominierten Individualismus, und installiert selbstbewusst ein
ökosoziales Weltbild. Dem intellektuell
entwickelten Stand der menschlichen Spezies wird auf der gesamten,
einen Erde ein angemessenes Lebensumfeld möglich. Der Mensch
ent-wickelt die Wahrheit aus sich selbst. Wie ein Schein vergeht,
ergibt sich eine höhere Wahrheit.
Es ist die
selbstentwickelte Herzlichkeit, das Einpendeln der Menschheit in einer
Mitte, die tiefer liegt, als unser entwickelter Verstand, und doch auf
ihn angewiesen ist. Die fähiger ist, als eine aktionistische
oder euphorisch entfachte Schaffenskraft, und doch ihren besten Beitrag
leisten möchte. Die kultivierter ist als Eitelkeit,
Fremdbestimmung oder die Suche nach Identifikation. Mitgefühl
und Nächstenliebe, Langsamkeit und Genügsamkeit
begründen einen insgesamt höheren Anspruch an das
Leben, sobald sich die Perspektive selbstkritisch nach
innen wendet. Das Zählbare verblasst und macht Platz
für das Streben nach umfassender Lebensqualität - es
ist das, was unsere Gegenwart in einer atemberaubenden Geschwindigkeit
entflammt. Die Entwicklung rührt die Weltbevölkerung
im Herzen und mobilisiert die Sehnsucht nach Gerechtigkeit,
Aufklärung und Transparenz. Das Leben wird deshalb immer
turbulenter und unübersichtlicher, damit es sich aus seinen
eingefahrenen und überholten Mechanismen lösen kann -
um einem neuen Paradigma zu weichen.
Wir haben allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Denn wir
erleben immer öfter, wie die Bürger und
Völker der Welt in einer Offenheit und Direktheit aufeinander
zugehen, wie es noch vor wenigen Jahren unmöglich schien.
Die Krisen und
Verfehlungen tragen die menschliche Vernunft der Menschlichkeit zu.
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Robert Welscher | aus PROJEKT 20XX | www.modulenature.com
Die nächste Basis
Ein umfassendes Bewusstsein
Gegenwärtig
erleben wir, wie sich in praktisch allen Regionen der Welt Spannungen
zwischen einzelnen Volks- und Interessengruppen verstärken und
zu eskalieren beginnen. Beispiele finden sich überall. Wir
sehen die Kämpfe zwischen Tradition und Fortschritt - es geht
um Überleben, Bestand, Macht, um Ideologie und den Drang nach
Entwicklung. Das dominierende Thema der Gegenwart ist Aufarbeitung.
Weitgehend sehen wir Interessenskonflikte, die oft in zähen
und unnachgiebigen Prozessen nach faulen Kompromissen ringen.
Umfassender Konsens, von Dogma freie Win-Win Situationen, die
für alle Seiten beste Lösungen bringen, finden sich
noch selten. Doch man beginnt, miteinander zu sprechen und
hört sich zu. Die Menschen beginnen aufeinander zuzugehen -
welch großartige Entwicklung, bedenkt man, dass noch vor
wenigen Jahren der Kalte Krieg die Welt dominierte! Die
Geschwindigkeit, mit der sich alles verändert, wird immer
schneller und die Konventionen fallen, wie die Vorbehalte
gegenüber neuen Konzepten.
Die Mittel des „Krieges“ (oder: in der
zwischenmenschlichen Beziehung und der gemeinsamen Entwicklung) sind
sehr unterschiedlich und spiegeln die Bewusstseinsebene, auf der die
Konflikte stattfinden. Praktisch in allen Gebieten der Erde finden
gleichzeitig mehrere Kriege statt, die sich auf unterschiedlichen
Ebenen bewegen und aufeinander einwirken. Es sind körperliche
Kriege, Kriege der Mythen und Religionen, Kriege der Herrschafts-,
Staats- und Wirtschaftsorgane, der Meinungsbeeinflussung, des
Intellektes und der Vernunft. Selbst die Herzlichkeit ficht immer
nachdrücklicher ihren Krieg der Erkenntnis aus, der sich
subtil den Friedensappell als seine Waffe wählt.
Verschiede Weltauffassungen prallen aufeinander, unterschiedlich
entwickelte Bewusstseinszustände lassen uns gleiche
Sachverhalte unterschiedlich wahrnehmen und interpretieren. Es ist an
der Zeit, dass die Weisen der Welt, die geistig Entwickeltsten,
beginnen, die Geschicke der Welt mit zu lenken und ihre Entscheidungen
transparent und nachvollziehbar vermitteln. Die Wahrhaftigkeit sucht
ihre angemessene Vertretung in der menschlichen Welt. Es gilt, die
Strukturen der Macht neu zu gestalten und die Prozesse dorthin zu
moderieren. Demokratische Strukturen, wie wir sie gegenwärtig
kennen, tragen hier nur unzureichend bei. Sie forcieren, rekrutieren
und repräsentieren zumeist ethnisch begrenzten Intellekt -
Regelverständnis und rational fassbare
Wissenschaftsgläubigkeit. Sie sind weitgehend von ethischem
SelbstVerständnis, spiritueller Erkenntnis oder ganzheitlichem
Denken isoliert und verselbständigen sich immer weiter.
Menschen, deren Bewusstsein höhere Ebenen meist nicht umfasst,
regulieren das Weltgeschehen im Rahmen ihres eng begrenzten
Weltverständnisses - nicht anhand der umfassenden Wahrheit der
globalen Welt. Hier ist der Ansatzpunkt für eine Verbesserung
der Zustände auf der Welt zu sehen. Wir benötigen
eine viel differenzierteren Blick auf das, was wir Menschen sind, wie
wir uns in unseren Bewusstseinszuständen über die
Gesellschaften verteilen, und welche Kriege wir mit welchen
Maßnahmenpaketen bekämpfen.
Ziel kann nicht mehr nur ein erkämpfter oder erkaufter Friede
sein, sondern das Anheben des Bewusstseinsniveaus der Weltpopulation
auf ein rational entwickeltes und zugleich selbstverantwortliches
Niveau. Erst aus entwickelten Menschen generieren sich friedliebende
Gesellschaften. Regelwerk und Autorität sind hier nur die
notwendigen Mittel für triebhaft- egozentrische Menschen,
für den „Kindergarten der erwachsenen
Welt“. - Ist es nicht höchst angemessen und
überaus bereichernd, Kinder darin zu unterstützen,
ihr einzigartiges Wesen zur Entfaltung zu bringen? Warum bevormunden
und bekämpfen wir sie noch immer?
Unsere Welt
benötigt ein differenziertes Instrumentarium, ausgebreitete
Visionen, die sich nicht begrenzen oder einengen, sondern sich
öffnen und ein durchgängiges
Förderinstrument für den Menschen werden,
der eine Welt nach oben hin offen lässt und gleichzeitig die
bekannten Etappen, die vorhandenen Kenntnisse der menschlichen
Erkenntnis, entwickelnd und gestaltend einsetzt..
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Robert Welscher | aus PROJEKT 20XX | Bild: Bagan, Burma | www.modulenature.com
Fortschritt oder Desaster
Die wahren Herausforderungen werden erst noch kommen
Die globalen Bemühungen um die Wirtschafts- und
Finanzkrise werden bereits weitgehend überwunden sein, dann
wird man auch schon erkannt haben, das man mit all den üppigen
Maßnahmenpaketen vielleicht doch nicht die Wurzeln des
Übels bekämpft hatte. Es könnte für
manch einen, der heute selbstbewusst in Aktion tritt und nicht
vorhandenes Geld in bislang ungekannten
Größenordnungen in die porösen Adern eines
kollabierten Systemglaubens pumpt, ein böses Erwachen
bedeuten. Man wird einsehen müssen, dass man unnötig
lange auf die falschen Ideen setzte. Der viel plakatierte Slogan
„Wäre die Welt eine Bank, ihr hättet sie
längst gerettet“, wird sich wohl als wahrer
herausstellen, als es jetzt noch abzusehen ist. Die Welt
kämpft gegen die Lücken in der eigenen Moral, indem
sie Krisenverursacher wohlversorgt und unbehelligt lässt,
nicht wirklich größere Anstrengungen zur
Bekämpfung der Armenhäuser der Welt unternimmt, und
die Klimakatastrophe sich weitgehend selbst
überlässt. Stattdessen versucht man die Massen noch
energischer zu manipulieren und noch mehr Kontrolle auszuüben.
Wer glaubt, durch die Rettung fauler Glaubenssysteme und das
Zusammenflicken gescheiterter Ideologien einen nachhaltig positiven
Beitrag zu leisten, dürfte sich schneller wundernd die Augen
reiben, als er es vermuten kann.
Die Wahrheit auf der Welt
ist, das der Mensch zu unverhältnismäßig
die Umwelt schändet, immer noch mehr Menschen ohne Perspektive
Menschen ohne Perspektive zur Welt bringen, sich immer
mächtigere Krankheiten auf der Welt zeigen... . Hier
könnte man eine endlose Liste an Beispielen anfügen,
die eigentlich längst nicht mehr zu ertragen sind.
Bahnbrechend ist, dass die Krise schon jetzt das Bewusstsein lebendig
werden lies, dass der Mensch in Zukunft nur als globale Gemeinschaft,
miteinander an einem gemeinsamen Strang ziehend, existieren kann.
Doch wenn der Mensch ein zu mächtiger Stein im Getriebe der
natürlichen Kreisläufe wird, ein Geschwür im
Organismus der Evolution, wird die Natur ihre
Selbstheilungskräfte einsetzen und unsere Spezies in ihre
Schranken weisen. Hieran sollte kein Zweifel bestehen.
Aus Sicht der Natur wäre dies wie immer ein normaler
Reinigungsprozess. Verlieren würde allein der Mensch, der sich
nicht wundern müsste, mündete sein Wirken einmal mehr
im Desaster. Wir können einmal nicht sagen, wir wären
nicht informiert oder gewarnt gewesen, sollte unsere menschliche Welt
bald ein ernsthaftes Schicksal ereilen. Wir sollten wissen
können, was wir tun.
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Robert Welscher | aus PROJEKT 20XX | www.modulenature.com